Energielexikon beginnend mit B

Quelle: MWV (Mineralölwirtschaftsverband e.V.)

Fachbegriffe rund um das Thema Energie
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BARREL

(Fass, Abkürzung: bbl) Traditionelles Maß aus der Frühzeit der Ölindustrie, als Öl – auch Rohöl – ausschließlich in Fässern transportiert wurde. Das Barrel ist ein Hohlmaß und entspricht 42 US-Gallonen oder rund 159 Litern. Es hat auch heute nicht nur im anglo-amerikanischen Sprachraum, sondern für das gesamte internationale Ölgeschäft eine große Bedeutung. So werden Förderstatistiken in Barrel-Einheiten veröffentlicht, und die Preisfestlegung für fast alle gängigen Rohölsorten erfolgt in Dollar je Barrel. Annäherungswerte für die Umrechnung von Barrel in Kubikmeter bzw. Tonnen gibt die folgende Tabelle wieder:
multipliziere mit in Barrel in Barrel/Tag in metr.Tonne in Tonne/Jahr in Kubikmeter (m³)
von Barrel (bbl) 1 0,136 0,159
von Barrel/Tag (bbl/d) 1 50
von metr. Tonne (t) 7,33 1 1,16
von Tonne/Jahr (t/a) 0,020 1
von Kubikmeter (m³) 6,29 0,863 1
Anmerkung: Annäherungswerte aufgrund durchschnittlicher Dichte. Die Abkürzung bbl steht für “blue barrel”, ein blau gekennzeichnetes Fass mit genormtem Inhalt.

BENZIN

Benzine sind Kohlenwasserstoffe des Rohöls, die im Bereich von 35°C bis 210°C sieden. Die Bezeichnung ist ein Sammelbegriff für:
-Rohbenzin (Naphtha), unbehandeltes Erdöldestillat, als Rohstoff für die Petrochemie
-„Motorenbenzin“, im Sprachgebrauch übliche Bezeichnung für Ottokraftstoff.

Zur Verwendung als Kraftstoff muss aus dem Rohöl destilliertes Benzin veredelt werden (Raffinerieverfahren, Entschwefelung). Seit 1997 wird in Deutschland nur bleifreies Benzin angeboten.
-Spezial- und Testbenzine vor allem als Lösungs- und Extraktionsmittel
-Flugbenzin für Flugzeuge mit Kolbenmotoren (überwiegend Sportflugzeuge)

Der Anteil der Benzine – einschließlich Rohbenzin – am Raffinerieausstoß hat sich von 1970 (18%) bis 2000 (31%) ständig erhöht. Ebenso stieg der Benzinanteil am inländischen Verbrauch von Mineralölprodukten von 17% im Jahre 1970 auf 38% im Jahre 2000.

BENZINABSCHEIDER

Benzinabscheider (eigentlich „Leichtflüssigkeitsabscheider“) werden zum Schutz von Gewässern und Kanalisationssystemen vor Verunreinigung durch Kohlenwasserstoffe (Mineralölprodukte) verwendet. Ihre Wirkung beruht darauf, dass die in Wasser praktisch unlöslichen Mineralölprodukte durch ihr geringeres spezifisches Gewicht oben schwimmen und aufgrund dessen getrennt aufgefangen werden können. Die von einem Regenguss an einer Tankstelle weggespülten Kraftstoff-Tropfmengen werden auf dem Weg zur Kanalisation im Abscheider vom Wasser getrennt und zurückgehalten. Die an Tankstellen in Deutschland verwendeten Benzinabscheider entsprechen der Norm DIN 1999 bzw. der Europäischen Norm EN 858, die die DIN 1999 abgelöst hat.

BENZINBLEIGESETZ (BzBLG)

Seit den 1920er Jahren wurde Blei in Form einer organischen Verbindung dem Benzin zugesetzt, um die Klopffestigkeit zu erhöhen und damit eine bessere Ausnutzung der im Kraftstoff enthaltenen Energie durch Anhebung der motorischen Kompression zu ermöglichen. Ohne Blei konnte mit der damals vorhandenen Raffineriestruktur die notwendige Klopffestigkeit (Oktanzahl) nicht erreicht werden.
Durch das „Gesetz zur Verminderung von Luftverunreinigungen durch Bleiverbindungen in Ottokraftstoffen für Kraftfahrzeugmotoren“ (BzBlG) vom 5. August 1971 wurde wegen der gesundheitsschädigenden Wirkung des Bleis der Bleigehalt von Ottokraftstoffen in der Bundesrepublik Deutschland ab 1. Januar 1972 auf 0,40 g/l und ab 1. Januar 1976 auf 0,15 g/l begrenzt. Erst 1978 folgte eine EG-Richtlinie zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Bleigehalt des Benzins. Verbleites Normalbenzin wurde vom 1. Februar 1988 an verboten, für die anderen Benzinqualitäten besteht ein Verbot seit 1. Januar 2000.
Zweck der Einschränkungen und Verbote ist der Schutz der Gesundheit (Umweltschutz, bleifreies Benzin). Um auch bei vermindertem Bleigehalt den Qualitätsanforderungen für Ottokraftstoffe entsprechen zu können, musste die Mineralölindustrie erhebliche Investitionen in ihren Raffinerien vornehmen.

BENZINQUALITÄTSVERORDNUNG (BzV)

BENZOL

Einfachster aromatischer Kohlenwasserstoff (Aromaten). Es stellt einen der wichtigsten Rohstoffe der chemischen Industrie dar. In geringer Menge ist Benzol in Ottokraftstoffen enthalten; er wird dem Kraftstoff nicht zugesetzt. Deren Benzolgehalt ist in der EU durch die Richtlinie vom 28. Dezember 1998 auf 1 Vol.-% begrenzt, dieser Wert ist über die Kraftstoffqualitätsverordnung verbindlich in Deutschland eingeführt worden.

BEVORRATUNG

Seit 1965 sind die in der Bundesrepublik Deutschland tätigen Mineralölverarbeiter und -importeure gesetzlich verpflichtet (Bevorratungsgesetz), über ihre normalen Lagerbestände hinaus Pflichtvorräte zur Sicherung der Energieversorgung zu halten. In einer 1975 verabschiedeten Novelle zum Bevorratungsgesetz wurden die Pflichtvorräte ab 1. Oktober 1976 auf 80 Tage für inländische Verarbeiter von Importrohöl (Raffineriegesellschaften) bzw. 70 Tage für abhängige Importeure von Mineralölprodukten erhöht. Demgegenüber war der Kreis der von den Raffineriegesellschaften unabhängigen Importeure und Händler, die sich bis dahin an der Bevorratung nicht beteiligt hatten, lediglich verpflichtet, ab Oktober 1976 für 25 Tage und dann zunehmend bis Oktober 1980 für 40 Tage Vorräte zu halten.

Um die bestehenden Wettbewerbsverzerrungen auf dem Mineralölmarkt zu vermeiden, wurde Anfang 1977 zwischen dem Außenhandelsverband für Mineralöl e.V. (AFM) und dem Mineralölwirtschaftsverband e.V. (MWV) ein von beiden Verbänden gemeinsam getragenes Bevorratungsmodell erarbeitet, das zur Grundlage des Erdöl-Bevorratungsgesetzes vom 25. Juli 1978 (Bundesgesetzblatt I, 1978, Seite 1073) wurde.

Der aufgrund dieses Gesetzes gegründete Erdölbevorratungsverband (EBV) übernahm seit dem 1. Dezember 1978 die Vorratshaltung für 65 Tage bezogen auf den Mineralölverbrauch der jeweiligen Referenzperiode (1. April bis 31. März der jeweiligen Vorjahre). Kraft Gesetz sind alle Verarbeiter und Importeure von bevorratungspflichtigen Mineralölerzeugnissen Pflichtmitglieder dieser Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Die Raffineriegesellschaften mussten darüber hinaus einen weiteren Vorrat für 25 Tage halten. Mit Wirkung vom 1. April 1988 ist die Herstellerbevorratung auf 15 Tage gesenkt, die Vorratspflicht des EBV dagegen auf 80 Tage Vorjahresverbrauch erhöht worden. Durch die Novellierung des Erdölbevorratungsgesetzes 1998 wurde die Bevorratungspflicht des EBV auf 90 Tage erhöht und die Pflicht der Raffinerien zur Bevorratung beseitigt.

Die laufenden Kosten der Vorratshaltung des EBV werden durch Mitgliedsbeiträge gedeckt. Um dem Verbraucher die für die Versorgungssicherheit notwendigen Bevorratungskosten deutlich zu machen, werden diese Kostenanteile häufig in den Rechnungen offen ausgewiesen. (Stand 2001: Benzin 6,8 Euro/t, HEL 5,33 Euro/t, HS 4,30 Euro/t.)

Die Vorratspflicht, die auch durch Rohöl (rechnerische Ausbeute) erfüllt werden kann, erstreckt sich auf folgende Produktgruppen:

Produktgruppe 1: Motorenbenzin, Flugbenzin, Flugturbinenkraftstoff auf Benzinbasis
Produktgruppe 2: Dieselkraftstoff, leichtes Heizöl, Leuchtöl, Flugturbinenkraftstoff auf Petroleumbasis
Produktgruppe 3: mittelschweres und schweres Heizöl.

BIODIESEL

Werbebegriff für Fettsäuremethylester, der in Deutschland vor allem aus Rapsöl durch chemische Umsetzung mit Methanol erzeugt wird (RME). RME ist ein hochsubventionierter Kraftstoff aus landwirtschaftlicher Produktion, der für den Betrieb von Dieselmotoren grundsätzlich geeignet ist. Eine Anforderungsnorm (DIN 51 606) zur Sicherstellung gleichbleibender Qualität ist in Vorbereitung. Reines Pflanzenöl oder Speisefett kann in normalen Dieselmotoren nicht ohne erhebliche Risiken verwendet werden.

BITUMEN

Als Bitumen werden die Rohölbestandteile bezeichnet, die auch in der Vakuumdestillation nicht verdampfbar sind (nicht destillierbar). Das ist das Bodenprodukt der Vakuumdestillation bei Verarbeitung von naphthen- oder gemischtbasischen Rohölen. Bitumen findet Verwendung im Straßenbau (Asphalt) sowie für Isolierungen und Dachpappen.

BLEIFREIES BENZIN

(engl.: unleaded petrol, am.: unleaded gasoline) Die Einführung der katalytischen Abgasreinigung zur Verminderung der Schadstoffemission von Kraftfahrzeugen macht bleifreies Benzin erforderlich, da das Blei die Wirksamkeit der Katalysatoren beeinträchtigt. Die Mineralölindustrie hat 1985 in Abstimmung mit der Bundesregierung und der Automobilindustrie freiwillig bleifreies Benzin eingeführt.
Seit dem 1. Januar 2000 ist verbleites Benzin europaweit (mit zeitlich begrenzten Ausnahmen für Mittelmeerländer) verboten. Für ältere Motoren, die aufgrund von Materialeigenschaften auf Blei im Benzin angewiesen sind, wurde ein Zusatz entwickelt, der dem Benzin nachträglich zugegeben werden kann und der die benötigte Schutzfunktion ausübt (sog. Bleiersatz).
Die offizielle Bezeichnung für das ohne Bleizusätze hergestellte Benzin ist „unverbleit“. Damit wird vor allem der modernen Analytik Rechnung getragen, die auch dort geringste Bleiverunreinigungen nachweisen kann, wo es weder durch Zugabe noch durch Vermischung anzutreffen sein sollte.

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Siehe Untenbefüllung

BRENNSTOFF

(engl. fuel) Flüssiges, festes oder gasförmiges Produkt zur Erzeugung von Wärme; im Mineralölbereich vor allem Heizöl EL und Heizöl S, aber auch Petrolkoks.

BRENNSTOFFZELLE

Aggregat zur Erzeugung von Strom durch kalte Verbrennung. Als Brennstoff ist Wasserstoff besonders geeignet, der aber auch durch Verarbeitung von Methanol oder Benzin erzeugt werden kann. Vorteil der Brennstoffzelle ist die im Vergleich zum Verbrennungsmotor höhere Energieausnutzung des Elektromotors bei der Vermeidung des hohen Ladegewichtes für Speicherbatterien.

BRENNWERT

Der Brennwert bezeichnet die bei vollständiger Verbrennung eines Brennstoffes, z.B. Erdgas oder Heizöl freiwerdende Energie einschließlich der im Wasserdampf gespeicherten Kondensationswärme. Bei Brennwertkesseln wird der in den Heizgasen enthaltene Wasserdampf im Unterschied zur Heizwert-Nutzung des Brennstoffes vollständig oder teilweise kondensiert und damit als Heizwärme genutzt. Mit Heizgas bezeichnet man die zur Heizwassererwärmung genutzten gasförmigen Verbrennungsprodukte. Sie werden mit Temperaturen nur wenig oberhalb der Heizwasserrücklauftemperatur (ca. 25 bis 60°C) in den Schornstein abgeführt. Der Abgasverlust ist damit deutlich geringer als beim Heizwert.

Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz trat 1974 in Kraft. Es regelt die Umweltschutzanforderungen bei Errichtung und Umbau von Produktionsanlagen, legt Immissions- ­und Emissionsgrenzwerte fest und ist die Grundlage für Umweltschutzanforderungen an industrielle und gewerbliche Erzeugnisse. Detailregelungen finden sich in Verordnungen und Verwaltungsvorschriften, die auf der Grundlage des BImSchG erlassen worden sind, z. B. 20. BImSchV (Gaspendelung) oder 21. BImSchV (Gasrückführung).

Emissionen sind die von industriellen und gewerblichen Anlagen ausgehenden Luft­verunreinigungen (Schadstoffausstoß). Immissionen sind die auf Menschen, Tiere, Pflanzen oder Sachen einwirkenden Luftverunreinigungen (Niederschlag von Emis­sionen).

BUNKERÖL

(engl.: bunker fuel) Als Bunkeröle werden die in der Schifffahrt verwendeten Brennstoffe bezeichnet. Während auf Binnenschiffen im Allgemeinen Dieselkraftstoff verwendet wird, werden die Dieselmotoren in der Seeschifffahrt mit Schiffsbrennstoffen betrieben, die dem schweren Heizöl entsprechen. Für Bunkeröle gelten die internationalen Normen ISO 8216 und ISO 8217 (Normung).