Energielexikon beginnend mit K

Quelle: MWV (Mineralölwirtschaftsverband e.V.)

Fachbegriffe rund um das Thema Energie
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KATALYSATOR

Katalysatoren sind Materialien, die den Ablauf chemischer Reaktionen beschleunigen, ohne sich dabei selbst zu verändern. In der Mineralölindustrie werden Katalysatoren beim Reformieren (Anhebung der Oktanzahl von Benzin), bei der Entschwefelung von Mineralölprodukten, beim Cracken, bei der Schmierölraffination und bei der Schwefelgewinnung verwendet. Für die genannten Verfahren sind Katalysatoren mit ganz bestimmten Eigenschaften erforderlich. Die Eigenschaften eines Katalysators werden durch seine Zusammensetzung bestimmt; häufig ist es ein Metall auf einem Tonerde-Trägermaterial (Platin beim Reformieren, Kobalt, Molybdän oder Nickel beim Entschwefeln und Eisen bei der Schwefelgewinnung), s. Abgaskatalysator.

KAVERNEN

Kavernen sind natürliche oder künstlich geschaffene unterirdische Hohlräume zur Lagerung von Rohöl und Mineralölprodukten. In der Bundesrepublik Deutschland wird ein Großteil der Pflichtvorräte (s. Bevorratung), überwiegend Rohöl, in solchen Kavernen gelagert. Sie werden daher fast ausschließlich vom Erdölbevorratungsverband (EBV) bzw. vom Bund betrieben. Kavernen bieten im Vergleich zu oberirdischen Lagermöglichkeiten mehrere Vorteile. Für sie benötigt man an der Erdoberfläche keinen Raum. Sie sind nahezu unsichtbar und beeinträchtigen das Landschaftsbild nicht. Zudem sind die Investitionen für Kavernen, bezogen auf den Kubikmeter Lagerraum, mehr als zwei Drittel niedriger als z.B. für oberirdische Stahltanks. Nachteil ist, dass nicht jeder Untergrund auf Dauer Flüssigkeitsdichtigkeit garantieren kann und so für das Anlegen von Kavernen geeignet ist.

1995 gab es in der Bundesrepublik Deutschland rund 30 Millionen Kubikmeter Lagerraum in Kavernen.

Die wichtigsten Lager in der Bundesrepublik Deutschland sind:

NWKG (EBV), Rüstringen ca. 6,9 Mio. m³

Industrie-Verwaltungsgesellschaft (IVG), Etzel ca. 12,7 Mio. m³

NWKG (EBV), Sottorf ca. 1,7 Mio. m³

Wintershall AG, Hülsen ca. 0,5 Mio. m³

VSG (Wintershall AG), Blexen ca. 1,3 Mio. m³

NWKG (EBV), Lesum ca. 1,5 Mio. m³

NWKG (EBV), Heide ca. 1,6 Mio. m³

VEBA OEL AG, Epe ca. 2,9 Mio. m³

Mineralölverbundleitung GmbH, Teutschenthal ca. 0,4 Mio. m³

RWE-DEA AG, Heide 101 ca. 0,1 Mio. m³
NWKG = Nordwestdeutsche Kavernen GmbH

KEROSIN

Siehe Petroleum

KLIMAVERÄNDERUNG

Als „Treibhauseffekt“ wird die Eigenschaft der Atmosphäre bezeichnet, einen Teil der von der Sonne eingestrahlten Wärme zurückzuhalten (Isolier-Effekt). Ursächlich dafür sind der Wasserdampf und die Spurengase Kohlendioxid (CO2) und Methan. Der natürliche, d. h. der nicht durch den Menschen verursachte Treibhauseffekt macht die Erde überhaupt bewohnbar, ohne ihn läge die Mitteltemperatur an der Erdoberfläche statt bei +15°C bei –19°C.

Der Anstieg der CO2-Konzentration seit etwa 150 Jahren durch den zunehmenden Verbrauch fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl, Erdgas) sowie durch das Roden vor allem der tropischen Regenwälder und die Zunahme der Konzentration von Methan und Fluorchlorkohlenwasserstoffen haben bewirkt, dass Atmosphärenphysik und Klimaforschung einen Anstieg der mittleren Temperatur an der Erdoberfläche prognostizieren.
Damit werden erhebliche negative Folgen für die Bewohnbarkeit der Erde verbunden. Internationale und nationale Überlegungen und Forderungen zur Begrenzung der Emission dieser Spurenstoffe sind angelaufen (Toronto 1988, Genf 1990, Rio de Janeiro 1992, Berlin 1995; Kyoto 1997, Berichte der Enquète-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre“ des Deutschen Bundestages).

KOHLEFILTER

Der „kleine“ Kohlefilter ist ein mit Aktivkohle befüllter Behälter in Pkw mit Abgaskatalysator nach US-Norm, der die im Stand austretenden Benzindämpfe aus Tank oder Vergaser festhält. Während der Fahrt werden die Dämpfe mit der Ansaugluft in den Motor gespült.
Der „große“ Kohlefilter kann zusätzlich die beim Tanken aus dem Einfüllstutzen austretenden Benzindämpfe aufnehmen. Der Wirkungsgrad liegt weit über 95%. In den USA ist die Einführung von 1998 an verbindlich vorgeschrieben.

KOHLENDIOXID

Verbrennungsprodukt des Kohlenstoffs, chemisches Zeichen CO2. Kohlendioxid entsteht u.a. bei der Verbrennung von allen herkömmlichen Brennstoffen (außer Wasserstoff). CO2 ist Grundnahrungsmittel für Pflanzen. Eine geringe Konzentration in der Atmosphäre ist Voraussetzung für das Leben überhaupt. In letzter Zeit wird es als eine der Ursachen des zunehmenden „Treibhauseffekts“ genannt, s. Klimaveränderung.

KOHLENWASSERSTOFFE

Kohlenwasserstoffe sind aus den chemischen Elementen Kohlenstoff (Symbol C) und Wasserstoff (Symbol H) aufgebaute chemische Verbindungen. Aus C-Atomen können sich lange Ketten oder verzweigte oder ringförmige Strukturen bilden. Die Kohlenwasserstoffe kommen immer als Gemische vor (Kohlenwasserstoffgemisch) und müssen mit chemischen oder physikalischen Methoden in Gruppen oder Einzelverbindungen aufgespaltet werden.

KOHLENWASSERSTOFFGEMISCH

Gemisch von Kohlenwasserstoffen. Mineralölprodukte sind immer Kohlenwasserstoffgemische.
Dieser Begriff findet insbesondere im Gefahrguttransport Verwendung für solche Stoffe, die in den Vorschriften nicht namentlich genannt sind (z.B. Petroleum). Kohlenwasserstoffgemische wie z.B. Benzin, Dieselkraftstoff oder Kerosin sind unter dieser Bezeichnung zusammen mit einer bei der UNO registrierten Nummer (z.B. 1203 Benzin) zum Transport als Gefahrgut zugelassen.

KOHLEPFENNIG

Die zur Sicherung der Verwendung von Gemeinschaftskohle in der Elektrizitätswirtschaft früher erhobene Ausgleichsabgabe wurde im allgemeinen Sprachgebrauch „Kohlepfennig“ genannt; sie hatte ihre gesetzliche Grundlage im Dritten Verstromungsgesetz.
Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Oktober 1994 ist diese Abgabe verfassungswidrig und ist ab 1. Januar 1996 entfallen. Sie diente dem Zweck, die Mehrkosten, die den Elektrizitätsversorgungsunternehmen entstehen, wenn sie die im Vergleich zu anderen Primärenergiearten teurere EU-Steinkohle verstromen, nicht mehr – wie ursprünglich – aus dem Staatshaushalt zu bestreiten, sondern die Stromverbraucher damit zu belasten.
Das Abgabenaufkommen wurde in den vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verwalteten Ausgleichsfonds eingezahlt, aus dem die Finanzierung der aus dem Verstromungsgesetz resultierenden Verpflichtungen erfolgte. So wurde den Stromerzeugern für die durch den Steinkohleneinsatz entstehenden höheren Kosten ein Ausgleich insbesondere für Zusatzmengen (Verbilligung auf Importkohlenpreis), höhere Investitionsaufwendungen (Ende 1989 ausgelaufen) und die Wärmepreisdifferenz (Ölausgleich) gezahlt. Aufgrund des hohen Ölpreisniveaus hat in den Jahren 1983 bis 1985 der Ausgleich der Wärmepreisdifferenz keine nennenswerte Rolle mehr gespielt. Mit dem Ölpreisverfall im Jahre 1986 hatte die Wärmepreisdifferenz allerdings wieder erheblich zugenommen. Der Prozentsatz der Ausgleichsabgabe, der sich 1986 auf 4,5% der Erlöse aus Stromlieferungen an Endverbraucher belief, musste auf eine Größenordnung von 7 bis 8% angehoben werden.

KOMPONENTEN

Rohöl wird bei der Verarbeitung (Raffinerieverfahren) durch Destillation in „Fraktionen“ (Gase, Benzine, Petroleum, Mitteldestillat, Rückstand) aufgetrennt, die je nach Rohölprovenienzen verschiedene Eigenschaften haben. Ebenso werden die Reaktionsprodukte beim Cracken und Reformieren sowie bei der Entschwefelung in Anteile mit verschiedenen Siedebereichen aufgeteilt. Die Fraktionen, die im Siedebereich der Fertigprodukte liegen, aber unterschiedliche Eigenschaften (z.B. Schwefelgehalt, Klopffestigkeit) besitzen, werden als Komponenten zur Einstellung und Optimierung der angestrebten Qualität der Fertigprodukte miteinander vermischt („geblendet“). Als Komponenten gelten auch sauerstoffhaltige Verbindungen wie Methanol, Ethanol oder MTBE. Die Abgrenzung zu Additiven ergibt sich daraus, dass Komponenten neben ihrem Einfluss auf die Qualität durch ihren Energiegehalt zum Gesamtenergieaufkommen des Kraft- oder des Brennstoffes beitragen, Additive dagegen nur auf die Qualität wirken.
Diese rein technische Definition findet bei der Verwendung in der Statistik eine Erweiterung. Hier werden unter Komponenten der verschiedenen Destillationsstufen (leicht, mittel, schwer) auch Halbfabrikate und Produkte verstanden, die noch nicht den Marktspezifikationen entsprechen, also dem Endprodukt noch nicht zugerechnet sind. Selbst ein fertiges Gasöl, über dessen Verwendung als Heizöl leicht oder Dieselkraftstoff nicht entschieden ist, wird in der Statistik den Mitteldestillat-Komponenten zugerechnet.

KONVERSIONSANLAGEN

In Konversionsanlagen (Cracken) werden durch Umbau der Kohlenwasserstoffmoleküle aus schweren Produkten leichtere hergestellt, so z.B. aus Heizölen Benzine, aus Benzinen Gase. Raffinerien benötigen Konversionsanlagen immer dann, wenn die Zusammensetzung der Marktnachfrage sich wesentlich von der natürlichen Zusammensetzung der verarbeiteten Rohöle unterscheidet (Kuppelproduktion).
Dies ist in Deutschland der Fall. Da ohne Konversionsanlagen die optimale Bedarfsdeckung aus heimischen Raffinerien zu einem nicht absetzbaren Überschuss an schwerem Heizöl (Verstromungsgesetze) führen würde, muss dieser Mengenüberschuss entsprechend der Nachfrage in leichtere Produkte umgewandelt werden.

KRAFT-WÄRME-KOPPLUNG (KWK)

KWK bezeichnet die gleichzeitige Gewinnung von Strom und Wärme in einer Anlage. Die Wärme wird entweder zu Heizzwecken (Fernwärme) oder in Produktionsprozessen (Prozesswärme) genutzt.

KRAFTSTOFF

Mineralölprodukt zum Antrieb von Motoren (Ottokraftstoff, Dieselkraftstoff)

KRAFTSTOFFQUALITÄTSVERORDNUNG

Zum Verbraucherschutz hat die Bundesregierung eine Kennzeichnung der Kraftstoffqualität an den Zapfsäulen der Tankstellen mit DIN-Plaketten vorgeschrieben: Weiß mit schwarzer Schrift „Bleifrei“ und „Autogas“ und mit grau gerastertem Untergrund für Dieselkraftstoff. Damit sind die europäischen Normen für die Kraftstoffqualität DIN EN 228, DIN EN 590 und DIN EN 589 verbindlich eingeführt worden. Die Verordnung verpflichtet außerdem Kraftfahrzeughersteller und -importeure, für ihre Fahrzeuge die erforderlichen Kraftstoffqualitäten bekannt zu geben. Die Kraftstoffqualitätsverordnung (Verordnung über die Beschaffenheit und die Auszeichnung der Qualitäten von Kraftstoffen – 10. BImSchV, die Anfang 1994 in Kraft getreten ist) hat die frühere Benzinqualitätsverordnung abgelöst. Mit der letzten Änderung der Kraftstoffqualitätsverordnung wurden 1999 die Vorgaben der europäischen Kraftstoffrichtlinie auch für die deutschen Kraftstoffe verbindlich festgeschrieben sowie die Bezeichnungen „schwefelarm“ für Kraftstoffe mit weniger als 50 mg Schwefel je kg Kraftstoff bzw. „schwefelfrei“ für solche mit weniger als 10 mg/kg verbindlich gemacht.

KREISLAUFWIRTSCHAFTSGESETZ

Kurzform für das Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen. Dieses im Oktober 1994 verkündete Gesetz trat am 7. Oktober 1996 endgültig in Kraft und löste das bisherige Abfallgesetz von 1986 ab. Ab dem 7. Oktober 1996 gilt somit ein vollständig neu formuliertes Abfallrecht in Deutschland. Die Abfallvermeidung bleibt das oberste Ziel der Abfallwirtschaft; daneben werden die Anforderungen an die Produktverantwortung für die Wirtschaft erweitert und präzisiert. Gestärkt wird durch dieses Gesetz die Eigenverantwortung der Wirtschaft für die Vermeidung, Verwertung und Entsorgung von Abfällen aus Produktion und Konsum.

KRISENMECHANISMUS (IEA)

Der Krisenmechanismus der IEA (Internationale Energieagentur) basiert auf dem Internationalen Energieprogramm (IEP), das die Grundlage gemeinsamer Bevorratungspflicht, harmonisierter Verbrauchseinsparungsmaßnahmen im Krisenfall und der Verpflichtung zum gerechten Ausgleich bei unterschiedlichen Versorgungslagen in einzelnen Mitgliedsländern darstellt. Ausgelöst wird der IEA-Krisenmechanismus (Trigger) bei einer Unterversorgung eines oder mehrerer Mitgliedsländer um mindestens 7%. Getragen wird er von den wichtigsten internationalen Ölgesellschaften und den nationalen Krisenorganisationen (NESO).
Gemäß IEP wird im Krisenfall das verfügbare Öl aus den noch verbleibenden Importen und aus heimischer Förderung der Mitgliedstaaten der IEA in ein gemeinsames Ölverteilungssystem eingebracht, aus dem die Mitgliedsländer gemäß historischer Verbrauchsanteile bedient werden (Zuteilungsrecht). Ausgenommen sind hiervon die Bestände, die von jedem Land selbst eingesetzt werden.
Grundsätzlich entscheidet aber der Governing Board, der sich aus den Fachministern der Mitgliedsländer zusammensetzt, über den Umfang der einzuleitenden Maßnahmen. Darüber hinaus hat der Governing Board 1984 einen Beschluss gefasst, der den Einsatz bestimmter Maßnahmen auch unterhalb der 7%-Triggerschwelle vorsieht. Dieser Krisenvorsorge-Maßnahmenkatalog wird heute als CERM (Coordinated Emergency Response Measures) bezeichnet und gewinnt auf Betreiben der USA zunehmend an Bedeutung. Er sieht keine Umverteilung des Ölaufkommens vor wie der klassische Krisenmechanismus.

KUPPELPRODUKTION

Herstellungsverfahren, bei denen mit technischer Zwangsläufigkeit gleichzeitig mehrere Produkte anfallen, deren Absatz und Erlöse Produktionshöhe und Preis des gewünschten Produktes mit beeinflussen.
Für die Mineralölverarbeitung ist die Kuppelproduktion typisch. Da Rohöl ein Gemisch aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen ist, fallen bei seiner Verarbeitung zwangsläufig gleichzeitig mehrere Produkte an wie z.B. Benzine, Mitteldestillate, schweres Heizöl. So ergibt eine Tonne Rohöl durchschnittlich etwa 200 kg Benzin, 350 kg Mitteldestillate und 400 kg schweres Heizöl und Bitumen.
Da Raffinerien diese Produktionsskala ohne (zeitaufwendigen) Aufbau neuer Anlagen nur in engen Grenzen verändern können (Konversionsanlagen), muss die Mineralölindustrie die saisonalen Unterschiede zwischen Produktion und Bedarf durch Lagerhaltung ausgleichen.
Kennzeichnend für eine Kuppelproduktion ist, dass die Zurechnung von Verarbeitungskosten auf einzelne Produkte nicht möglich ist. Eine Preiskalkulation für ein einzelnes Produkt, die von den Kosten für dieses Produkt ausgeht, kann daher nur willkürlich vorgenommen werden. Die Mineralölwirtschaft muss mit den Erlösen aller Mineralölerzeugnisse die gesamten Versorgungs-, Produktions-, Vertriebs- und Verwaltungskosten (einschließlich der angemessenen Verzinsung des investierten Kapitals) decken.