Energielexikon beginnend mit R

Quelle: MWV (Mineralölwirtschaftsverband e.V.)

Fachbegriffe rund um das Thema Energie
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RAFFINATION

RAFFINERIEKAPAZITÄT

RAFFINERIEN

Verarbeitungsanlagen, in denen aus Rohöl marktgängige Mineralölprodukte hergestellt werden, s. Rohölprovenienzen.
Es gibt reine Kraft- und Brennstoff-Raffinerien, so genannte Hydroskimming-Raffinerie, die im Wesentlichen nur Otto- und Dieselkraftstoffe sowie leichtes und schweres Heizöl liefern. Hydroskimming-Raffinerien sind in den vergangenen Jahren weitgehend in Vollraffinerien umgewandelt (durch Zubau von Konversionsanlagen) oder stillgelegt worden.
Vollraffinerien haben ein sehr umfangreiches Produktionsprogramm, das neben Kraftund Brennstoffen auch Flüssiggas (Propan, Butan u.a.), petrochemische Rohstoffe, Spezial- und Testbenzine, Düsentreibstoff, Schmierstoffe, Paraffine, Bitumen usw. umfasst.
Daneben gibt es Spezialraffinerien, die z.B. Schmierstoffe herstellen oder gebrauchte Schmierstoffe (Altöl) aufarbeiten.
Je nach Raffinerie-Typ und -Größe, Produktionsumfang und Kapazitätsauslastung schwanken die Verarbeitungskosten. Diese sind je Einheit bei dem hohen Anteil der fixen Kosten wesentlich von der Kapazitätsausnutzung abhängig.

Literatur: MWV (Hrsg.), Mineralöl und Raffinerien

RAFFINERIEVERFAHREN

Ausgangsverfahren der Mineralölverarbeitung ist die Destillation. Dabei werden die Kohlenwasserstoffverbindungen des Rohöls in Abhängigkeit von ihrem Siedeverhalten in so genannten Destillationstürmen in einzelne Schnitte oder Fraktionen aufgetrennt. So erhält man von unten nach oben in den einzelnen Stockwerken der Türme einen schweren Rückstand, die Mitteldestillate (Gasöle), Benzine und Gase. Die einzelnen Fraktionen entsprechen noch nicht den Anforderungen, die der Markt an die Produkte stellt. Sie müssen daher noch weiter veredelt werden. Dies geschieht mit Hilfe von Umwandlungsverfahren, bei denen die Destillationsprodukte unter hohem Druck, bei hohen Temperaturen, unter Verwendung von Wasser- stoff und in Gegenwart von Katalysatoren physikalisch und chemisch verändert werden. In Reformieranlagen werden z.B. Benzine zu hochoktanigen (s. Oktanzahl) Ottokraftstoffen veredelt.
An die Herstellungsverfahren schließen sich Raffinationsverfahren an, um den Mineralölen unerwünschte Bestandteile wie z.B. Schwefel zu entziehen. Solche Reinigungsverfahren dienen damit in hohem Maße dem Umweltschutz. Zu den wichtigsten modernen Raffinationsanlagen gehört der Hydrofiner (s. Hydrotreating), in dem die Produkte durch Wasserstoffzugabe von unerwünschten Bestandteilen (s. Schwefel) befreit werden. Weitere Raffinerieverfahren siehe Konversionsanlagen, Cracken; Herstellung der Fertigprodukte siehe Komponenten.

RAPSÖL, RAPSÖLMETHYLESTER

Siehe Biodiesel

REFERENZÖL

Als Referenzöle („marker crude“) bezeichnet man die Rohölsorten, die den Bewertungsmaßstab für die meisten international gehandelten Rohöle bilden. In Europa ist dieses Referenzöl beispielsweise das Nordseeöl „Brent“, in den USA sind es die Sorten „West Texas Intermediate“ (WTI)) und „Alaskan North Slope“ (ANS)). Ein gebräuchlicher Indikator für die Rohölpreisentwicklung ist auch der so genannte OPEC-Korb von sieben Rohölen.

REFORMIEREN

Das ursprünglich thermische, seit den 50er Jahren nur noch katalytische Reformieren (s. Raffinerieverfahren, Katalysator) der aus der Rohöldestillation erhaltenen Benzinfraktion führt zu den von heutigen Kraftfahrzeugmotoren geforderten hochoktanigen Komponenten der Ottokraftstoffe.
Dabei entstehen aus geradkettigen Kohlenwasserstoffen ohne Doppelbindung (s. Paraffine) ringförmige ungesättigte (s. Aromaten) mit hoher Oktanzahl und Wasserstoff. Durch die Anforderungen des Auto/Öl-Programms wird der Einsatz von Reformat begrenzt, da der Aromatengehalt der Ottokraftstoffe eingeschränkt wird, der Wasserstoffbedarf der Raffinerie (z.B. zum Entschwefeln) steigt dagegen an.

REFORMULATED GASOLINE

Dieser aus den USA stammende Begriff bezeichnet Benzine mit gegenüber den z. Z. marktgängigen veränderter Zusammensetzung, um eine Minderung der Ozonbelastung zu erreichen. Für diese Kraftstoffe wird ein Mindestgehalt an Sauerstoff: z.B. MTBE, ein niedriger Benzolgehalt und ein verringerter Dampfdruck gefordert. Sie dürfen weder Blei noch andere Schwermetalle enthalten.
Die Anforderungen an das „reformulated gasoline“ sind in den USA im „Clean Air Act“ festgelegt, der 1990 verabschiedet wurde, um die Luftverschmutzung in den Großstädten und Ballungszentren zu reduzieren. Wegen der in Europa anderen Fahrzeugtypen und Fahrweisen hat die Europäische Kommission ein eigenes Auto/Öl-Programm durchgeführt.

RID

Règlement concernant le transport international ferroviaire des marchandises dangereuses = Verordnung über die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter (s. Gefahrguttransport).

ROHBENZIN

Rohbenzin (Naphtha) ist die Bezeichnung für Destillate im Siedebereich von Benzin, die als Rohstoff der Petrochemie dienen und dort insbesondere zur so genannten Pyrolyse in Steamcracker (thermische Spaltung) zwecks Gewinnung von Ethylen und Kuppelprodukten (Propylen, Butylen, Butadien) eingesetzt werden.

ROHÖL

Siehe Erdöl

ROHÖLDESTILLATIONSKAPAZITÄT

Die Kapazität einer Raffinerie bemisst sich nach der ersten Verarbeitungsstufe, der Rohöldestillation. Sie gibt an, wie viel Rohöl einer definierten Provenienz (Rohölprovenienzen) pro Zeiteinheit in der Destillationsanlage der jeweiligen Raffinerie durchgesetzt werden kann (Nominalkapazität). Die effektive Durchsatzkapazität hängt von den Eigenschaften der eingesetzten Rohöle und der Notwendigkeit von zu Stillstandszeiten führenden Überholungsarbeiten an den Anlagen ab.

ROHÖLPROVENIENZEN

Rohöle aus verschiedenen Vorkommen (Provenienzen) weisen unterschiedliche Qualitätsmerkmale auf. Als Qualitätsmaßstab werden international u.a. die API-Grade als Ausdruck der Dichte verschiedener Rohölsorten verwendet.

Beispiele für Rohölsorten mit unterschiedlichen Qualitätsmerkmalen:

Land (Rohölsorte) / API-Grade / Schwefelgehalt (Gew.-%)

Saudi-Arabien (Arabian Heavy) rd. 28 rd. 3,0

Iran (Agha Jari) rd. 34 rd. 1,4

Libyen (Zueitina) rd. 35rd. 0,2

Nigeria (Forcados) rd. 31 rd. 0,2

Venezuela (Tia Juana) rd. 27 rd. 1,5

Norwegen (Ekofisk) rd. 36 rd. 0,2

Nordsee (Brent) rd. 38 rd. 0,3

API° 34 = leichtes Rohöl

Aus leichten Rohölen lassen sich überdurchschnittlich hohe Benzinanteile gewinnen, während schwere Rohöle im Allgemeinen zu einem höheren Anteil an schwerem Heizöl führen. Diese Qualitätsunterschiede spiegeln sich auch in den Rohölpreisen wider. Anteile in%

Rohölsorte Gase Benzin Mitteldestillate Rückstand

Arabian Heavy (Saudi-Arabien) 1,6 15,9 26,0 56,5

Agha Jari (Iran) 1,7 20,3 30,0 48,0

Zueitina (Libyen) 1,0 22,0 39,0 38,0

Forcados (Nigeria) 0,8 17,2 45,0 37,0

Tia Juana (Venezuela) 1,0 10,0 29,0 60,0

Ekofisk (Norwegen) 1,3 22,7 32,0 44,0

Brent (Nordsee) 2,3 34,52 4,7 38,5

ROTTERDAMER MARKT

Wichtigster Umschlagplatz für Mineralöl in Europa und gleichzeitig bedeutendster Raffineriestandort ist die Region um Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam (ARA-Raum). Dort stehen Raffinerien mit einer Gesamtkapazität von rund 90 Millionen Tonnen sowie rund 30 Millionen Kubikmeter Tankraum. Diese Raffinerien versorgen zum einen den heimischen Markt, zum anderen dienen sie als „Swing-Refineries“ oder „Balancing-Refineries“ den Gesellschaften für die Versorgung anderer Märkte in Europa. Rotterdam bietet die Möglichkeit, Großtanker zu entladen. Von Rotterdam führen eine Anzahl von Rohölpipelines nach Belgien und Deutschland sowie eine Produktenpipeline in das Rhein-Ruhr-Gebiet und bis nach Ludwigshafen (Pipeline). Daneben werden von Rotterdam aus Ölprodukte mit Rheintankschiffen ins Hinterland transportiert.
Der Handel in Rotterdam erfolgt durch kurzfristige Verträge. Dabei schwanken die Preise je nach Angebot und Nachfrage erheblich (Spotmarkt). Die Rotterdamer Preisnotierungen spiegeln die Weltmarkttendenzen wider und sind maßgebend für das Ölpreisniveau in Europa.

ROYALTIES

Siehe Förderabgabe

RÜCKSTAND

Destillationsrückstand, Atmosphären-, Vakuumrückstand; Rückstandsöl In der chemischen Technologie der Stofftrennung allgemein gebräuchliche Bezeichnung für die Anteile bei einem Destillationsvorgang, die sich unter den Verfahrensbedingungen nicht verflüchtigen und „überdestillieren“, sondern im Destillationsgefäß „zurückbleiben“. Die Bezeichnung sagt nichts über den Wert dieser Produkte aus, etwa im Sinne von „Reststoff“.