Energielexikon beginnend mit S

Quelle: MWV (Mineralölwirtschaftsverband e.V.)

Fachbegriffe rund um das Thema Energie
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SAUERSTOFFHALTIGE KOMPONENTEN

Sauerstoffhaltige Komponenten sind chemische Verbindungen, die neben Kohlenstoff und Wasserstoff auch Sauerstoff im Molekül enthalten und als Komponenten zur Herstellung von Ottokraftstoff eingesetzt werden können. Zu ihnen zählen vor allem Ethanol, Methanol, MTBE und Tertiär-Butylalkohol (TBA).
Sauerstoffhaltige Kraftstoffkomponenten können sich anders auf das Fahrverhalten auswirken als Kohlenwasserstoffe. Ihre Zugabemenge ist daher durch eine EG-Richtlinie (85/536/EWG) begrenzt worden, deren Werte von der Kraftstoffnorm übernommen worden sind.

SAUGRÜSSEL

SCAVENGER

Scavenger („Verflüchtiger“) sind in den früher den Kraftstoffen zugesetzten Bleiadditiven enthalten. Es handelt sich um Halogenkohlenwasserstoffe, die Bleiablagerungen im Motor und damit Betriebsstörungen verhindern sollten. Die Mineralölindustrie hat 1990 freiwillig auf diese Zusätze verzichtet; seit Herbst 1996 stellt sie keinen verbleiten Ottokraftstoff mehr her.

SCHMIERFETT

Schmierfette sind – vereinfacht gesagt – Kombinationen von Schmierölen mit Verdickungsmitteln, die auch dort verwendet werden können, wo Schmieröle wegen der Schwerkraft wegfließen würden. Als Verdickungsmittel kommen entweder Seifen oder Kunststoffe in Frage.

SCHMIERÖL

Schmieröle bestehen aus den hoch siedenden Fraktionen des Rohöls. Sie werden durch (schonende) Destillation im Vakuum abgetrennt, entparaffiniert, entaromatisiert und abschließend mit Wasserstoff unter Druck behandelt, um Reste störender Verunreinigungen zu eleminieren (s. Grundöle). Durch Vermischen von Grundölen mit verschiedenen Eigenschaften und durch Auswahl geeigneter Additive werden die Eigenschaften des Fertigproduktes (Motorenöl, Getriebeöl, Elektroisolieröl, Metallbearbeitungsöl, Hydrauliköl usw.) eingestellt.

SCHNITT (SIEDESCHNITT)

Siehe Fraktion

SCHWEFEL

Chemisches Element, Zeichen S. Schwefel ist gelb, fest, geruchsfrei und brennbar. An verschiedenen Stellen der Erde kommt Schwefel rein vor, kommerziell hergestellt wird er durch Entschwefelung von Erdgas und Mineralölprodukten (s. Schwefelgehalt).

SCHWEFELDIOXID

Schwefeldioxid ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das beim Verbrennen von Schwefel und schwefelhaltigen Brennstoffen entsteht. Chemisches Zeichen SO2. Die SO2-Emission aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) ist durch die deutsche Umweltschutzgesetzgebung drastisch vermindert worden. Das ist besonders in Belastungsgebieten (Ruhrgebiet, Großstädte) dokumentiert. Zukünftig ist der SO2-Immission durch „Importe“ aus dem Ausland verstärkt Beachtung zu schenken.

SCHWEFELGEHALT

Rohöle enthalten je nach Sorte unterschiedliche Mengen an Schwefel, der chemisch an verschiedene Kohlenwasserstoffe gebunden ist. Besonders schwefelarm sind Rohöle aus Algerien, Libyen, Nigeria und den Nordseevorkommen; besonders schwefelreich – mehr als 3,1 Gewichtsprozent – sind Rohöle aus Kolumbien, Mexiko und einige venezolanische Rohöle. Der durchschnittliche Schwefelgehalt der nachgewiesenen Rohölreserven der Welt liegt bei 1,8 Gewichtsprozent (s. Rohölprovenienzen). Der durchschnittliche Schwefelgehalt der von Raffinerien in Deutschland verarbeiteten Rohöle ist von 1,6 Gewichtsprozent im Jahre 1960 auf unter 1,0 Gewichtsprozent im Jahre 1990 zurückgegangen, da vor allem aus Umweltschutzgründen zunehmend schwefelarme Rohöle verwendet worden sind.
Der Schwefelgehalt vieler Mineralölprodukte ist gesetzlich limitiert. So liegt der Grenzwert für Benzin (s. Benzinqualitäten) derzeit bei 150 ppm. Die deutsche Mineralölindustrie bietet seit dem 1. Januar 2000 Super Plus flächendeckend mit Schwefelgehalten unter 50 ppm an (Bezeichnung: schwefelarm). Der maximal zulässige Schwefelgehalt im Dieselkraftstoff beträgt seit Januar 2000 in Deutschland 0,035% (350 ppm), für leichtes Heizöl gilt seit dem 1. März 1988 eine gesetzliche Beschränkung des Schwefelgehaltes auf 0,2 Gewichtsprozent. Er wird im Jahre 2008 auf 0,1 Gewichtsprozent gesenkt (s. Umweltschutz).

SCHWEFELWASSERSTOFF

Schwefelwasserstoff ist ein farbloses, gesundheitsgefährdendes Gas, das u.a. bei Fäulnisprozessen von Eiweiß entsteht und daher faulen Eiern den charakteristischen Geruch verleiht. Es entsteht als Primärprodukt bei der Entschwefelung von Mineralölen und wird in Schwefelanlagen nach dem Clausprozess Clausanlage in elementaren Schwefel (gelb, fest, geruchlos) als Rohstoff für die chemische Industrie umgewandelt.

SEKUNDÄR-FÖRDERUNG

SICHERHEITSBERATER

SICHERHEITSVORSCHRIFTEN

Sie umfassen alle für die Lagerung, den Transport und den Umgang mit gefährlichen Stoffen (z.B. Benzol) erlassenen Gesetze, Verordnungen und Richtlinien. Dabei handelt es sich vor allem um das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) und die Störfall-Verordnung, das Gefahrgutgesetz mit den Gefahrgutverordnungen (s. Gefahrguttransport) für die einzelnen Verkehrsträger, das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) mit den entsprechenden Verwaltungsvorschriften, die Gefahrstoff-Verordnung, die Verordnung über brennbare Flüssigkeiten (VbF), die Explosionsschutzverordnung sowie Richtlinien zur Unfallverhütung (UVV). Ein Teil dieser Richtlinien wird unter Beteiligung der Wirtschaft in staatlich autorisierten Gremien wie insbesondere dem Deutschen Ausschuss für brennbare Flüssigkeiten (DAbF) erarbeitet.

Beschaffenheitsanforderungen bedürfen aus EU-wettbewerbsrechtlichen Gründen der europäischen Normung. Nur Betriebsvorschriften und standortspezifische Bauordnungen verbleiben im nationalen Zuständigkeitsbereich.

SIEDEANALYSE

Zur Charakterisierung ihrer Flüchtigkeitseigenschaften werden Mineralölprodukte unter definierten Bedingungen destilliert ( Destillation). In Anforderungsnormen oder Spezifikationen werden bestimmten Temperaturen Mengenverhältnisse zugeordnet oder Temperaturen für fixierte Mengenverhältnisse vorgeschrieben.

SIEDEBEREICHE

Siehe Fraktion

SPOTMARKT

Jede Mineralölgesellschaft wird sich zeitweise Überschüssen und zeitweise einem Mangel bei einzelnen Produkten oder Rohölqualitäten gegenübersehen, die es kurzfristig auszugleichen gilt. Hierfür bietet sich der Spotmarkt an.

Spotmärkte dienen dem kurzfristigen Handel mit Mineralölprodukten und Rohölen. Sie sind regionale Märkte, da der kurzfristige Ausgleich lokaler Versorgungslücken keine langen Transportzeiten erlaubt. Der Spotmarkt für Nordeuropa ist der Rotterdamer Markt.

Aus der Sicht der Verkäufer stellt der Spotmarkt einen Mechanismus dar, der es ermöglicht, dauerhaft oder vorübergehend anfallende Überschüsse abzusetzen. Für die Käufer besteht das Interesse an diesem Markt vor allem darin, günstige Angebote wahrzunehmen und in Knappheitssituationen einen „Markt der letzten Zuflucht“ zu haben.

Es gibt Raffineriegesellschaften, die regelmäßig oder sporadisch bewusst zu Grenzkosten für den Spotmarkt produzieren, um ihre Raffineriekapazitäten besser auszulasten und dadurch die „Stückkosten“ zu senken.

STEAMCRACKEN

Siehe Cracken

STEINKOHLEEINHEIT (SKE)

Maßeinheit für Energiegehalt von Brennstoffen. Mit dem Gesetz über die Einheiten im Messwesen (vom 2. Juli 1969) und den nachfolgenden Ausführungsverordnungen ist für den geschäftlichen und amtlichen Verkehr in der Bundesrepublik Deutschland die Umstellung von Einheiten des technischen Messsystems auf das internationale System von Einheiten (SI) geregelt worden. Die SI-Einheiten sind für die Bundesrepublik Deutschland als gesetzliche Einheit ab 1. Januar 1978 verbindlich. Seitdem wird allgemein für alle Energiearten in Thermik, Mechanik und Elektrizität die Einheit „Joule“ verwendet.

1 J (Joule) = 1 Nm (Newton-Meter) = 1 Ws (Wattsekunde).

Die Kalorie (cal) und davon abgeleitete Einheiten wie Steinkohleeinheiten (SKE) und Rohöleinheiten (RÖE) können für eine Übergangszeit nur noch hilfsweise verwendet werden. Die Maßeinheit Joule hat sich in energiewirtschaftlichen Veröffentlichungen bisher noch nicht umfassend durchgesetzt. In der energiewirtschaftlichen Praxis ist die Steinkohleeinheit eine gängige Vergleichs-Maßgröße geblieben.

Vergleich der alten und neuen Maßeinheit:

Einheit kJ kWh kcal

1 kJ – 0,000278 0,2388

1 kcal 4,1868 0,001163

1 kWh 3600 – 860

1 kg SKE 29308 8,14 7000

1 kg RÖE 41868 11,63 10000

SUBSTITUTION

Hierunter wird in der Energiewirtschaft der Ersatz eines Energieträgers durch einen anderen verstanden (direkte Substitution). Sie führt also zu einer Veränderung der Struktur der verwendeten Energieträger, z.B. Ersatz von schwerem Heizöl zur Stromerzeugung durch Kohle.

Die Möglichkeiten zur Substitution werden im Wesentlichen durch folgende Faktoren beeinflusst:

Die Angebots- und Nachfrage-Relation zwischen konkurrierenden Energieträgern;

Die Kosten- und Preis-Relation zwischen konkurrierenden Energieträgern;

Die technisch-wirtschaftlichen Substitutionsmöglichkeiten der einzelnen Energieträger untereinander;

Eingriffe der Politik in den Energiemarkt (s. Energieprogramm der Bundesregierung, Umweltschutz, Verstromungsgesetze).